Raus in die Natur, rein in den Kessel!

Ein nasskalter, diesiger Novembermorgen, der ungemütlicher nicht sein könnte, bildet die beste Voraussetzung, Carstens Einladung zum „Ankesseln“ mit kindlicher Freude anzunehmen. Mit jedem Kilometer Richtung Lausitz, lassen wir die Stadt und ihr Treiben, ein Stück weiter hinter uns und tauchen ein, in die herrliche Stille der unendlichen Kiefernwälder. Im urigen Blockhüttencamp eingetroffen, begrüßt uns der Hausherr gewohnt herzlich und wir kommen schnell ins Gespräch über dies und das. Traditionell finden zum Jahresende gute Freunde des Hauses den Weg zum Camp, um die warmen Monate gebührend zu verabschieden und schnell hat sich über die Jahre ein harter Kern gebildet, dem es der der große Kessel hinten am Ufer angetan hat.

Während Carsten routiniert anfeuert, um den riesigen Bottich auf Temperatur zu bringen, beginnen wir mit den Vorbereitungen, die eine zünftige Mahlzeit verlangt. Dabei tauscht man kleinere Begebenheiten und größere Geschichten aus, es wird viel gelacht, aber hier und da genießt man auch einfach den Moment der Ruhe, das Lodern der Flammen und das Knistern und Knacken im Lagerfeuer. Zeit anzukommen, den gewohnten Alltag hinter sich zu lassen. Anschließend stärken wir uns mit Kürbissuppe nach heimischen Rezept und leckeren Würsten des hiesigen Fleischers, dazu wird frisches Brot gereicht. Manchmal sind es die einfachen Dinge…

Zu Kräften gekommen sind wir nun bereit für den „Stapellauf“ und begeben uns in das, gefühlt, kochend heiße Wasser des großen Kessels, der mittlerweile gute 35-40 Grad aufweisen sollte. Nach entsprechender Überwindung erlangt uns ein unbeschreibliches Gefühl der Wohltat, in die dampfenden Wogen einzutauchen. Um uns herum die kalte Nacht, im Fernen, der Wald mit seinen eigenen Geräuschen, einfach unsagbar schön. Die Stimmung ist ausgelassen und alle preisen den Hausherren, man lobt Speis‘ und Trank und philosophiert über das Leben, nichts anderes haben wir uns für den heutigen Abend gewünscht. Lediglich der Tauchgang ins eiskalte Nass holt uns zurück in die Realität, herrlich bitter kalt, prusten wir am Seil entlang. Kurz darauf, fühlen wir uns wie neugeboren, das war es wert.

Gemeinsam lassen wir den Abend in der Hütte ausklingen. Es gibt Rauchwerk und regionale Destillate. Alle lauschen gespannt den interessanten Erfahrungsberichten, die Carsten bildhaft ausschmückt. Immer wieder geht es um die Schönheit der Natur mit ihren Bewohnern, das Leben hier draußen im Allgemeinen, Beobachtungen während seiner Erkundungstouren durch Wald und Flur und natürlich wollen wir alles über den Wolf wissen.

Bevor wir uns am nächsten Morgen verabschieden und jeder wieder seines Weges ziehen wird, schließen wir uns noch Lenni, dem erfahrenen Förster an, der die Gegend wie seine Westentasche kennt. Er zeigt uns die versteckten Infrarot-Wildkameras und wir werten gemeinsam die nächtlichen Aufnahmen aus. Beeindruckt versichern wir, uns bald wieder blicken zu lassen im idyllischen Blockhüttencamp, entweder im tiefen Schnee oder wenn der Frühling sich einstellt. Eins wissen wir genau, wir kommen wieder, und eines Tages werden wir den Wolf beobachten können.